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Kann man Keramik-Waschbecken bohren? (Was Sie wissen sollten)

Wer schon einmal ein Hängewaschbecken montiert hat, weiß:

Ohne Bohrlöcher in den Fliesen lässt sich das gute Stück nicht befestigen.

Viel seltener müssen Badbesitzer das Waschbecken selbst bohren.

Es gibt jedoch Fälle, in denen diese Arbeit notwendig ist – etwa wenn Sie das gute Stück versetzen wollen.

Wie das funktioniert und welches Werkzeug Sie dafür benötigen, verraten wir in diesem Artikel.

3 Gründe, Keramikwaschbecken zu bohren

Wenn Badbesitzer Ihr Waschbecken mit dem Bohrer bearbeiten, hat das meistens folgende Gründe:

  1. Die Stockschrauben in der Wand passen nicht in die Löcher des Waschbeckens.
    Normalerweise wäre es in diesem Fall einfacher, neue Schrauben anzubringen.
    Ist dies aber nicht möglich – etwa weil die Schrauben fest mit dem Mauerwerk verankert sind – müssen Sie neue Löcher in das Waschbecken bohren.
  2. Bei Ihrem neuen Waschbecken ist das Hahnloch markiert und mit einer Sollbruchstelle versehen, aber noch nicht durchgebohrt.
  3. Sie wollen eine neue Armatur verwenden, aber das Hahnloch ist zu klein.
    In diesem Fall ist zwar kein Bohren, aber ein Vergrößern des Lochs erforderlich.

Betrachten wir als erstes Fall Nummer eins, da dieser die größte Herausforderung darstellt:

Was ist die Schwierigkeit beim Bohren von Keramikwaschbecken?

Wie wir bereits in diesem Artikel geschrieben haben, besitzt Keramik einige bemerkenswerte Eigenschaften:

Dank der glatten Oberfläche hält das Material Bakterien effektiv fern.

Gleichzeitig ist Keramik resistent gegen Verfärbungen und hart genug, um Kratzern zu widerstehen.

Gerade diese Härte sorgt jedoch dafür, dass sich Waschbecken aus Keramik nicht so einfach bohren lassen.

Manche Badbesitzer mögen einwenden, dass Fliesen auch aus Keramik bestehen und relativ problemlos gebohrt werden können.

Jedoch ist Keramik nicht gleich Keramik.

Stattdessen kommt es auf den Härtegrad an, der mithilfe der Mohs-Skala angegeben wird:

Die meisten Keramikfliesen weisen einen mittleren Mohs-Wert von 3 bis 5 auf.

Viele Waschbecken bringen es jedoch auf einen Wert von 8 oder mehr – zu hart für die allermeisten Bohrer.

Zum Vergleich: Diamant, das härteste natürliche Material unserer Erde, besitzt einen Härtegrad von 10.

Benötige ich spezielles Werkzeug zum Bohren von Keramikwaschbecken?

Wie bereits erwähnt, zeichnet sich Sanitärkeramik durch ihren hohen Härtegrad aus.

Mit einem herkömmlichen Stein- oder Betonbohrer kommen Sie also nicht weit.

Im besten Fall erzeugt der Bohrkopf eine kleine Mulde, bevor er qualmend den Geist aufgibt.

Stattdessen benötigen Sie einen Bohrer mit Diamantaufsatz.

Nur dieses Material dringt auch durch härteste Keramik.

Dabei kommen zwei unterschiedliche Typen infrage:

Nassbohrer wie dieses Produkt der Firma RUBI müssen beim Bohren stetig mit Wasser gekühlt werden.

Sonst verschleißen Sie schnell.

Außerdem kann die entstehende Hitze den Bereich um das Bohrloch zum Platzen bringen.

Wer nicht manuell mit Wasser kühlen möchte, sollte sich für eine Nassbohrmaschine mit automatischer Wasserkühlung des Bohrkopfes entscheiden.

Dafür bietet etwa die deutsche Firma Eibenstock eine geeignete Lösung an.

Trockenbohrer kommen ohne Wasser aus, da sie durch Kühlmittel im Inneren vor Überhitzung geschützt werden.

Dadurch sind höhere Drehzahlen möglich, was das Bohren beschleunigt. Allerdings sind diese Produkte etwas teurer als Nassbohrer.

Eine sehr beliebte Wahl ist diese Bohrkrone der Firma Prodiamant.

Wenn Sie noch keine dazu passende Diamant-Trockenbohrmaschine haben, ist dieses Modell von Makita eine hervorragende Qualitätswahl.

Ein Durchmesser von 10 mm ist für die meisten Waschbecken-Schrauben geeignet.

Dennoch sollten Sie sicherheitshalber die Gebrauchsanleitung oder den Hersteller konsultieren.

Übrigens gibt es auch sog. Widia-Bohrköpfe, die aus Wolframcarbid und Cobalt bestehen.

Das Kürzel steht für “Wie Diamant” und gibt den Anspruch des Herstellers Krupp wieder, ein ähnlich hartes Material zu liefern.

Zwar punkten Widia-Bohrer mit Widerstandsfähigkeit bei hohen Temperaturen.

Mit der Härte von echtem Diamant können Sie sich jedoch nicht messen.

Für Keramik sind sie daher nur bedingt geeignet.

Was muss ich beachten, wenn ich ein Keramikwaschbecken bohren will?

Bevor es an das eigentliche Bohren geht, sollten Sie die gewünschte Stelle mit Kreppband abkleben.

So verhindern Sie, dass die Glasur abplatzt und der Bohrkopf an der glatten Oberfläche abrutscht.

Auf das Kreppband zeichnen Sie mit Bleistift eine Markierung.

Nun geht es an das Vorkörnen mit einem kleinen Bohrer.

4 oder 5 mm Durchmesser empfehlen sich.

Wichtig: Verwenden Sie eine geringe Drehzahl und nur leichten Druck.

Denken Sie auch daran, die Schlag- oder Hammerfunktion des Bohrers abzustellen, damit das Becken nicht in seiner Struktur beschädigt wird.

Bohren Sie so lange, bis eine kleine Mulde in der Keramik sichtbar ist, die dem größeren Bohrer Halt bietet.

So bohren Sie ein Keramikwaschbecken richtig

Zum eigentlichen Bohren setzen Sie Ihren Diamantaufsatz im rechten Winkel auf das vorgekörnte Loch.

Wieder gehen Sie mit geringer Drehzahl und moderatem Druck vor, bis Sie durch das Waschbecken gebohrt haben.

Falls Sie keinen selbstkühlenden Bohrer verwenden, müssen Sie auf eine ausreichende Kühlung mit Wasser achten.

Am einfachsten geht das, indem Sie eine zweite Person zu Hilfe nehmen.

Diese tropft mit einer Pipette einen konstanten Wasserstrahl auf den Bohrkopf.

Muss ein Keramikwaschbecken vom Fachmann gebohrt werden?

Wer etwas Erfahrung im Benutzen einer Bohrmaschine hat, kann sein Waschbecken selbst bohren.

Diamantaufsätze gibt es online und in jedem Baumarkt.

Jedoch benötigen Sie eine ruhige Hand und viel Geduld, um durch die harte Keramikschicht zu dringen.

Eine weitere Schwierigkeit stellt die Sprödigkeit von Keramik dar.

Anders als Kunststoff und manche Metalle lässt sich dieses Material nur geringfügig verbiegen, bevor es springt.

Das zwingt Hersteller, die Becken im Bereich der vorgebohrten Löcher zu verstärken.

Bringen Sie selbst neue Löcher an und ziehen das Waschbecken dann mit Schrauben fest, kann es durch die Spannung zu Haarrissen kommen.

Diese zerstören die Optik des Beckens und lassen sich nicht mehr entfernen.

Ist der Riss tiefer als 4 mm, kann er außerdem die Dichtigkeit des Beckens beeinträchtigen.

Beachten Sie außerdem: Armaturhersteller bringen die Bohrlöcher in einem Abstand an, der eine optimale Gewichtsverteilung ermöglicht.

Das heißt: Besonders bei schweren Waschbecken sollten Sie zum Wohle der Statik keine eigenen Löcher bohren.

So bohren Sie ein Hahnloch in das Waschbecken

Damit Sie eine Armatur am Waschbecken anschließen können, müssen Sie sie auf das sog. Hahnloch setzen.

Durch dieses fädeln Sie auch die Flexschläuche.

Falls das Hahnloch noch nicht durchgeschlagen wurde, stellt das kein Problem dar.

Die meisten Hersteller bringen Sollbruchstellen an, die sich einfach mit Hammer und Meißel durchschlagen lassen.

Gehen Sie behutsam vor und versuchen Sie, die Stelle mittig zu treffen.

Falls die Sollbruchstelle an der Unterseite des Beckens angebracht ist, messen sie den Abstand aus und zeichnen eine entsprechende Markierung auf der Oberseite an.

Nach dem Durchschlagen sollten Sie die Ränder mit einer Feile abschleifen.

Alternativ kommen spezielle Lochsägen für die Bohrmaschine oder den Winkelschleifer infrage:

Mit diesen gelingt die Arbeit deutlich schneller.

Manche Hersteller legen ihren Waschbecken passende Diamantbohrer bei.

Aber natürlich können Sie die entsprechenden Aufsätze auch einzeln oder als Bohrset kaufen.

Wie vergrößere ich das Hahnloch am Waschbecken?

Hahnlöcher in Waschbecken besitzen meist einen Durchmesser von 35 mm.

Damit sind sie für die meisten Standardarmaturen geeignet.

Wenn Sie jedoch einen exotischen Wasserhahn verwenden möchten, ist die Öffnung evtl. zu klein.

Auch in diesem Fall können Sie auf die Härte von Diamanten zählen.

Mit einer speziellen Diamantfeile bearbeiten Sie die Ränder des Hahnlochs so lange, bis die Armatur hineinpasst.

Soll das Loch deutlich größer werden, ist dies jedoch eine mühselige Arbeit.

Weniger Muskelkraft benötigen Sie mit einer Diamant-Lochsäge, die Sie auf Ihren Winkelschleifer setzen.

Wie beim Bohren ist eine Wasserkühlung notwendig, da viel Hitze entsteht.

Um die Säge zu zentrieren, empfiehlt sich außerdem eine Schablone im richtigen Durchmesser.

Diese können Sie aus Holz sägen und mit Schraubzwingen am Waschbecken befestigen.

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